Die Widerstandsklassen RC1 bis RC6 nach DIN EN 1627 geben an, wie viele Minuten eine komplette Tür- oder Fensterkonstruktion einem Einbruchsversuch mit definiertem Werkzeug standhält. Wichtig: Zertifiziert wird immer die ganze Konstruktion, nicht ein Einzelteil. Für private Wohnungen gilt RC2 als polizeilich empfohlenes Minimum, RC3 für gefährdete Lagen.
Was DIN EN 1627 überhaupt misst
Die europäische Norm DIN EN 1627 definiert einheitliche Prüfverfahren für die Einbruchhemmung von Türen, Fenstern, Vorhangfassaden und Toren. Dabei wird nicht theoretisch gerechnet, sondern praktisch angegriffen: Geprüfte Angreifer versuchen mit exakt definierten Werkzeugen und vorgegebener Zeit, die Konstruktion zu überwinden.
Der zentrale Punkt, den viele übersehen: Die Widerstandsklasse bezieht sich immer auf die gesamte Konstruktion — Türblatt oder Fensterflügel, Rahmen, Schloss, Beschlag, Bänder und Verglasung zusammen. Eine Tür ist nur dann RC2, wenn sie als komplettes System so geprüft und zertifiziert wurde.
Die Klassen im Überblick
RC1N — Grundschutz
Bietet kaum Widerstand gegen Werkzeugangriffe, schützt lediglich gegen Vandalismus und ungezielte Gewalt, etwa Tritte. Für Wohnungen nicht ausreichend.
RC2(N) — das Minimum für Privatwohnungen
Eine RC2-Konstruktion widersteht etwa drei Minuten lang einem Gelegenheitstäter mit einfachem Werkzeug: Schraubenzieher, Zange, Keil. Das klingt wenig, ist aber in der Praxis entscheidend — die meisten Einbrecher geben nach kurzer Zeit auf, weil jede Minute Lärm und Entdeckungsrisiko bedeutet. RC2 ist die von der Polizei empfohlene Mindestklasse für private Haushalte.
Das N in RC2N bedeutet, dass die Verglasung im Test nicht angegriffen wurde. Bei Türen und Fenstern mit Glasanteil sollten Sie deshalb zusätzlich auf durchbruchhemmende Verglasung nach DIN EN 356 achten — mindestens Klasse P4A, besser P5A.
RC3 — für höhere Werte und gefährdete Lagen
RC3 widersteht rund fünf Minuten lang einem erfahrenen Einbrecher mit zusätzlichem Werkzeug, insbesondere einem zweiten Schraubenzieher und einer Brechstange. Empfohlen für Wohnungen mit höherwertigem Inventar, im Erdgeschoss, am Hinterhof sowie für Einfamilienhäuser und freistehende Objekte.
RC4 — Gewerbe und Hochsicherheit
Etwa zehn Minuten Widerstand gegen einen erfahrenen Täter, der zusätzlich Akkuwerkzeuge einsetzt. Hauptsächlich relevant für Gewerbeobjekte, Apotheken, Praxen oder besonders gefährdete Bereiche. Für normale Privatwohnungen meist überdimensioniert.
RC5 und RC6 — Spezialfälle
Diese Klassen sind Banken, Juwelieren und ähnlichen Hochsicherheitsobjekten vorbehalten und spielen im privaten Bereich keine Rolle.
Wichtige Feinheiten, die oft falsch verstanden werden
Die Klasse gilt nur für die ganze Konstruktion
Ein massives Sicherheitsschloss allein macht eine Tür nicht zu RC2. Wenn Rahmen, Bänder oder das Türblatt schwach sind, bleibt die Tür schwach. Umgekehrt bringt eine zertifizierte RC2-Tür wenig, wenn sie unsachgemäß montiert wird. Mehr zu den Unterschieden der einzelnen Komponenten lesen Sie in unserem Ratgeber zu Sicherheitsschloss, Beschlag und Zusatzschloss.
Nachrüstung folgt DIN 18104, nicht DIN EN 1627
Nachträglich montierte Sicherungen — aufgeschraubte Zusatzsicherungen, Querriegel, Schutzbeschläge — werden nicht nach DIN EN 1627 geprüft, sondern nach DIN 18104. Teil 1 gilt für aufgeschraubte, Teil 2 für eingebaute Elemente. Diese Produkte erhöhen den tatsächlichen Widerstand deutlich und sind polizeilich anerkannt — aber sie verwandeln eine alte Tür nicht in eine zertifizierte RC2-Konstruktion. Beides hat seine Berechtigung: Zertifizierte Neubautür oder geprüfte Nachrüstung.
Verglasung ist ein eigenes Kapitel
Die Einbruchhemmung von Glas wird separat nach DIN EN 356 geprüft. P4A hält mehrfachen Schlägen mit einer Kugel stand, P5A deutlich mehr — beide Klassen verhindern das schnelle Durchgreifloch. Für verglaste Türen und Fenster in gefährdeten Lagen ist das unverzichtbar, siehe auch unseren Artikel zum Thema Balkon- und Terrassentür sichern.
Was RIVA empfiehlt
Unsere Empfehlung nach über 30 Jahren Praxis in Wien:
- Wohnungstür: mindestens RC2-Niveau — entweder als zertifizierte Tür oder durch geprüfte Nachrüstung mit Sicherheitsschlössern, Schutzbeschlag und Zusatzverriegelung.
- Exponierte Lagen (Erdgeschoss, Hinterhof, Einfamilienhaus): RC3-Niveau.
- Fenster und Balkontüren im Erdgeschoss: Pilzkopfverriegelung plus geprüfte Zusatzsicherungen, bei Verglasung P4A oder P5A.
- Altbau: erst Zustand prüfen, dann entscheiden — manchmal ist Nachrüstung ideal, manchmal der Tausch.
So gehen Sie vor: Schritt für Schritt
- Risiko einschätzen: Stockwerk, Lage (Straßenseite oder Hof), Wert des Inventars, bisherige Vorfälle im Haus.
- Zielklasse festlegen: RC2 als Minimum, RC3 bei erhöhtem Risiko.
- Bestand prüfen lassen: Sind Tür, Rahmen und Beschlag nachrüstbar oder nur tauschbar?
- Weg wählen: Zertifizierte RC-Tür oder geprüfte Nachrüstung nach DIN 18104 — beides ist legitim, je nach Budget und Zustand.
- Verglasung einplanen: Bei Glasanteilen P4A/P5A nach DIN EN 356.
- Fachgerecht montieren lassen: Die beste Konstruktion versagt bei schlechter Montage — Einbruchschutz in Wien vom Spezialisten.
Häufige Fehler
- Glauben, ein einzelnes Markenschloss mache die Tür zur RC2-Tür — die Klasse gilt nur für das geprüfte Gesamtsystem.
- Das N übersehen: RC2N sagt nichts über die Verglasung aus — Glas separat nach DIN EN 356 absichern.
- Nachrüstprodukte mit RC-Bezeichnung erwarten: DIN 18104 und DIN EN 1627 sind zwei verschiedene Normen — beide seriös, aber nicht austauschbar.
- Auf RC4 oder höher aufrüsten, wo RC2 reicht — überdimensionierte Sicherheit kostet unnötig Geld.
- Die Montage unterschätzen: Eine RC3-Tür mit schwachem Anschlag an den Rohbau verliert ihren Wert.
- Nur die Haustür bedenken: Fenster, Balkon- und Kellertüren sind meist die tatsächlichen Angriffspunkte.
Beratung zu Widerstandsklassen in Wien
Ob RC2, RC3 oder geprüfte Nachrüstung — die richtige Antwort hängt von Ihrer Wohnsituation ab. RIVA Sicherheitstechnik berät Sie seit 1993 in allen Wiener Bezirken, von der Inneren Stadt über Favoriten bis Hietzing: vor Ort, herstellerunabhängig und mit verbindlichem Angebot. Rufen Sie uns an — oder im Notfall jederzeit unter +43 1 969 06 38.

